Ethik des Klinikverbundes Allgäu

Der Fortschritt der Medizin und der Einsatz modernster Technik bei der Behandlung stellen Patientinnen und Patienten, Angehörige und die Mitarbeiter des Klinikverbundes Allgäu immer wieder vor Herausforderungen.
Ist das Machbare auch immer das Beste für den hilfsbedürftigen Menschen? Sollte etwa jeder Patient künstlich ernährt werden unabhängig von seinen Wünschen? Welche Besonderheiten sind im Umgang mit speziellen Patientengruppen wie Angehörigen der muslimischen oder jüdischen Glaubensrichtung oder Zeugen Jehovas in der Behandlung und Betreuung im Krankenhaus zu berücksichtigen? Wie kann trotz der Routineabläufe auf Station Sterbenden und ihren Angehörigen eine würdige Atmosphäre für den persönlichen Abschied ermöglicht werden?
Vor dem Hintergrund dieser Fragen sind aus unserer Sicht medizinische Leistungen nicht nur auf höchstem Qualitätsniveau und nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft, sondern immer auch im Einklang mit sozialen und ethischen Erwägungen zu erbringen. Ethisches Handeln, Qualität und eine patientenorientierte medizinische Versorgung gehören daher unabdingbar zusammen.
In unserem Haus ist dazu ein Ethikkomitee etabliert, das sich mit ethischen Fragestellungen im Klinikalltag beschäftigt. Im Rahmen von individuellen Fallbesprechungen werden ethische Themenstellungen erörtert und konkrete Empfehlungen für das Vorgehen im Einzelfall formuliert, die sich an den geltenden rechtlichen Grundlagen und den allgemein anerkannten ethischen Handlungsleitlinien richten. Dabei stehen immer Wohl und Willen des Patienten im Mittelpunkt.

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Ihr Weg zum Klinischen Ethikkomitee

Bei ethischen Fragestellungen sind wir gerne für Sie da!

 

Kontaktaufnahme für Ethikberatung im Einzelfall an den verschiedenen Standorten: (jeweils über den Empfang von 08:00 – 15:00 Uhr)

Standort Kempten
Robert-Weixler-Straße 50, 87439 Kempten
Tel. 0831 530-0
Fax 0831 530-3533
ethikkomitee@klinikverbund-allgaeu.de

Standort Immenstadt
Im Stillen 3, 87507 Immenstadt
Tel. 08323 910-0

Standort Sonthofen
Prinz-Luitpold-Str. 1, 87527 Sonthofen
Tel. 08321 804-0

Standort Oberstdorf
Trettachstraße 16, 87561 Oberstdorf
Tel. 08322 703-0

Zu ethischen Themen kann jedes Mitglied mündlich und schriftlich angefragt werden. Die Anfrage wird zur Beratung an das Ethikkomitee weitergeleitet.
Das Ethikkomitee verpflichtet sich zu strengster Vertraulichkeit. In jedem Fall werden wir uns schnellstmöglich mit Ihnen in Verbindung setzen.

Mitglieder des Klinischen Ethikkomitees

von links: Dr. Christine Zenk (Onkologie, Immenstadt), Dr. Ronald Treiber (Stv. Vorsitzender, Chefarzt Reha-Klinik Allgäu), Andreas Gröbl (Patientenfürsprecher, Immenstadt), Marita Knie (Pflegediagnostik/PKMS-Beauftragte), Oliver Götz (Lt. Oberarzt Neonatologie und Kinderintensivstation Kempten), Hanna Driendl (Seelsorge, Immenstadt), Doris Wagner, DESA (Ärztliche Leitung Schmerztherapie, Kempten), Renate Barnsteiner (Demenzbeauftragte, Leitung Ehrenamt, Kempten), Dr. Ulrich Bäcker (Chefarzt Innere Medizin, Gastroenterologie, Oberstdorf), Dr. Beatrix Hausser (Onkologie, ärztliche Leitung PMD, Kempten), Bärbel Grossmindorf (Pflegeteamleitung Intensivstation, Oberstdorf), Peggy Moritz (Mitarbeiterin EDV, ehrenamtliche Hospizbegleiterin), Kerstin Stark (Sozialdienst, Kempten), Dr. Dagmar Strauß (Chefärztin Notaufnahme, Kempten), Silvia Schreiber (Zentrumsleitung Pflege Sonthofen), Josef Wassermann (kath. Seelsorge, Kempten), Prof. Dr. Rolf Kern (Vorsitzender, Chefarzt Neurologie, Kempten)

Nicht auf dem Foto sind: Wolfgang Weinert (Betriebsleiter), Dr. Bernd Asche (Oberarzt Anästhesie, Kempten), Sylvia Schober (Palliative-Fachpflegekraft, Kempten), Dorica Roth (Pflegeteamleitung Kempten) und Heike Steiger (ev. Seelsorge, Kempten)

Ethik-Charta

Präambel
Unser Handeln orientiert sich am Wohle der Patientinnen und Patienten nach den vier Grundprinzipien der Medizinethik: Autonomie, Nichtschaden, Fürsorge und Gerechtigkeit. Angesichts der begrenzten Ressourcen im Gesundheitssystem und deren Verteilung können gerade in Bezug auf die Gerechtigkeit Konflikte mit den anderen Grundprinzipien entstehen.
Das Ziel dieser Ethik-Charta ist, alle Beteiligten in diesem schwierigen Handlungsfeld zu einem verantwortungsvollen, transparenten Handeln nach ethischen Grundprinzipien zu verpflichten. Diese ethische Verantwortung beschränkt sich nicht nur auf patientenbezogene Prozesse, sondern auch auf jegliches Denken und Handeln einschließlich des Miteinanders innerhalb der einzelnen Abteilungen und des gesamten Klinikverbundes.

Alle für den Klinikverbund Tätigen wissen sich folgenden ethischen Prinzipien verpflichtet:

  1. Wir betreiben wissenschaftliche, evidenzbasierte Medizin nach den aktuellen Regeln der Kunst. Alle Patientinnen und Patienten bekommen unabhängig von ihrem Versicherungsstatus eine hochstehende medizinische und pflegerische Betreuung.
  2. Bei keinem Patienten wird aus finanziellen Gründen auf eine notwendige medizinische Maßnahme verzichtet. Es werden keine medizinischen Maßnahmen aufgrund rein finanzieller Anreize durchgeführt.
  3. Aus dem Prinzip der Fürsorge und damit des Nichtschadens und des Wohltuns folgt, dass unnötige diagnostische Schritte oder Behandlungen, die nicht im Interesse der Patientinnen oder Patienten sind, nicht durchgeführt werden.
  4. Das Recht auf Selbstbestimmung der einwilligungsfähigen (entscheidungsfähigen) Patientinnen und Patienten hat oberste Priorität. Die Zustimmung nach sorgfältiger Aufklärung ist Voraussetzung jeder unserer Behandlungen. Bei nicht entscheidungsfähigen Patientinnen und Patienten ist der zuvor erklärte oder mutmaßliche Wille als Ausdruck ihrer Selbstbestimmung verbindlich.
  5. Auch bei notwendiger Spezialisierung in der Medizin nehmen wir unsere Patientinnen und Patienten ganzheitlich ernst: körperlich, geistig, seelisch, spirituell, sozial und kulturell.
  6. Der interdisziplinären und interprofessionellen Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen Abteilungen und des gesamten Klinikverbundes sowie auch der guten Kooperation mit externen zuweisenden und nachbetreuenden Einrichtungen wird, auf der Basis der genannten ethischen Prinzipien, zur sicheren Versorgung unserer Patientinnen und Patienten große Bedeutung beigemessen.
  7. Kommunikation und Führungsprinzipien haben Auswirkungen auf die Qualität der Patientenversorgung. Aus diesem Grund kommt dem wertschätzenden und respektvollen Umgang aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander eine wesentliche ethische Dimension zu.
  8. Zur Wahrung der ethischen Prinzipien sind eindeutig definierte Zuständigkeiten und bzgl. der Verantwortung klar organisierte Abläufe erforderlich.
  9. Qualitätssichernde Maßnahmen unterstützen die ethischen Grundsätze des Hauses und dürfen niemals in Gegensatz zu diesen geraten.

Die Charta wurde im Oktober 2018 von der Geschäftsführung, den ärztlichen Direktoren und der Pflegedirektion verabschiedet.

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