Die Intensivstation der Klinik Immenstadt ist von der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege (DGF) als „Angehörigenfreundliche Intensivstation“ zertifiziert worden. Mit der Auszeichnung werden Stationen gewürdigt, die Angehörige gezielt in den Behandlungs- und Pflegeprozess einbeziehen und ihnen in einer oft belastenden Ausnahmesituation Orientierung, Unterstützung und Begleitung bieten.
Die Zertifizierung ist das Ergebnis eines Projekts zur familienzentrierten Pflege, das auf der Intensivstation in den vergangenen Monaten umgesetzt wurde. Grundlage ist das Konzept der sogenannten „Family-Centered Care“ (FCC), das Angehörige als wichtige Partner in der Versorgung versteht. Ziel ist es, die Kommunikation zu verbessern, Angehörige aktiv einzubeziehen und dadurch sowohl die Versorgungsqualität als auch die Zufriedenheit von Patientinnen, Patienten und ihren Familien zu stärken. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt, dass Angehörige von Intensivpatientinnen und -patienten häufig selbst erheblichen psychischen Belastungen ausgesetzt sind und von einer strukturierten Begleitung profitieren.
Initiiert und fachlich entwickelt wurde das Projekt von Simone Wesch, Pflegefachkraft auf der Intensivstation der Klinik Immenstadt und Absolventin des Studiengangs Erweiterte Klinische Pflege (Bachelor of Science). Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit beschäftigte sie sich intensiv mit den Auswirkungen eines Intensivaufenthalts auf Angehörige und entwickelte daraus das Konzept für die familienzentrierte Pflege auf der Intensivstation. Unterstützt wurde sie dabei von einer interprofessionellen Arbeitsgruppe aus Pflege, Medizin und weiteren beteiligten Berufsgruppen.
„Angehörige erleben den Aufenthalt eines nahestehenden Menschen auf der Intensivstation häufig als eine der schwierigsten Situationen ihres Lebens. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Ressource für die Patientinnen und Patienten. Mit der familienzentrierten Pflege schaffen wir Strukturen, die Angehörigen mehr Sicherheit, Orientierung und Beteiligung ermöglichen“, sagt Simone Wesch.
Die erfolgreiche Zertifizierung verdeutlicht zugleich die wachsende Bedeutung akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen im Gesundheitswesen. Pflege entwickelt sich zunehmend zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin, die Forschungsergebnisse direkt in die Versorgungspraxis überträgt und innovative Konzepte für Patientinnen, Patienten und Angehörige entwickelt.
„Die Akademisierung der Pflege eröffnet neue Perspektiven für die Weiterentwicklung der Patientenversorgung. Akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen bringen wissenschaftliche Methodenkompetenz mit und können evidenzbasierte Konzepte entwickeln und in die Praxis übertragen. Das Projekt auf unserer Intensivstation ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie daraus konkrete Verbesserungen für unsere Patientinnen, Patienten und deren Angehörige entstehen“, sagt Florian Leier, Pflegedirektor der Oberallgäuer Kliniken.
Die Zertifizierung als „Angehörigenfreundliche Intensivstation“ ist für das Team der Klinik Immenstadt zugleich Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Geplant sind die kontinuierliche Weiterentwicklung bestehender Angebote sowie weitere Maßnahmen, um Angehörige noch stärker in den Versorgungsprozess einzubinden und ihnen in schwierigen Situationen Unterstützung zu bieten.
Mit der erfolgreichen Zertifizierung gehört die Intensivstation der Klinik Immenstadt nun zu den Einrichtungen, die familienzentrierte Pflege als festen Bestandteil ihrer Versorgungsphilosophie etabliert haben.

