Tipps von Dr. Peter Steinbigler: G‘sund sei‘ und g‘sund bleim!

Abwehr und Immunität – Das Rechtssystem im Körper

Eigentlich müsste unser Körper ein funktionierender Rechtsstaat sein, denn es gibt mannigfaltige „Schurken“ in unserer Umwelt, die uns ständig nach unserer Gesundheit oder gar nach unserem Leben trachten. Bakterien, Pilze und Viren, Säuren, Laugen und Gifte, genauso wie Wasserkraft, Gase und mechanische Kräfte sind ständig hinter uns her, ndererseits können sie uns auch nützlich sein.

Das Rechtssystem im menschlichen Körper ist komplex aufgebaut und enthält sogar Killerzellen, aber auch Helfer- und Supressorzellen – es ist unser Immunsystem. An vorderster Front steht jedoch die menschliche Haut. Sie schützt vor Hitze und Kälte, hat einen Säureschutzmantel, der früh Eindringlinge wie zum Beispiel Bakterien aber auch Pilze abhält. Ungepflegte oder verletzte Haut kann also schon die erste Schwäche des Immunsystems darstellen.

In Nase und Luftröhre, weiter drinnen im Körper, befinden sich Schleimhäute mit winzigen Härchen, an denen Fremdkörper hängen bleiben und dann durch husten oder niesen entfernt werden. Härchen und Schleimhäute können zum Beispiel durch Rauchen massiv in ihrer Abwehrfunktion behindert werden.
Auch Körperflüssigkeiten, wie Speichel oder Tränen sind Abwehrmechanismen, denn sie enthalten Säuren und Enzyme, die gegen Bakterien und Fremdkörper wirken können.

Wer Angst hat, etwas Falsches gegessen zu haben, kann sich meist auf seinen Magensaft verlassen, denn er kann viele verdorbene Speisen durch die im Magensaft enthaltene Salzsäure zersetzen, bevor der Körper Schaden nimmt.

Und wer bei einer Blasenentzündung auf „viel trinken“ setzt, der nutzt den Spüleffekt des Urins für Blase und Harnröhre. Viel Pieseln kann nämlich gesund machen, weil Fremdkörper weggespült werden und es somit Teil der komplexen Körperabwehr sein kann.

Wenn trotz all dieser Barrieren zum Beispiel Viren in den Körper eindringen, müssen die Blutzellen als Köperpolizei tätig werden. Wesentlich sind dabei ein Teil der weißen Blutkörperchen, die sogenannten Lymphozyten. Sie sind rasend schnell aus dem Knochenmark, den Lymphknoten, der Milz, der Mandeln oder anderer Organe des Lymphsystems, wie zum Beispiel die Milz mobilisierbar. Die T-Lymphozyten tasten den Eindringling ab, erkennen, ob er Vor- oder Nachteil für den Organismus darstellt und mobilisieren im schlechten Fall die sogenannten B-Lymphozyten, die letztlich die Antikörper herstellen, die
zur Abwehr nötig sind. Ist der Fremdorganismus erkannt, wird er mit Antikörpern übersäht und zerstört. Die großen Fresszellen, die sogenannten Makrophagen, räumen schließlich den „Schutt“ weg.

Das Immunsystem kann sich übrigens den Bauplan zur Antikörperherstellung teilweise lebenslang merken. Sollte das einmal erfasste Virus oder Bakterium erneut angreifen wollen, kann schlagartig in gleicher Weise reagiert werden, Lymphozyten mobilisiert werden und die gleichen Antikörper vielfach nachgebildet werden. Deshalb bekommt man manche Krankheiten, zum Beispiel die Kinderkrankheiten wie Masern oder Röteln, nur ganz selten mehr als einmal im Leben. Bei intaktem Immunsystem können die Krankheitserreger zwar in den Körper kommen, werden aber sofort erkannt und zerstört.

Bei einer Impfung wird übrigens dem Immunsystem ein abgestorbener, abgeschwächter oder nur unvollständiger Teil des Krankheitserregers zugefügt, der die Krankheit nicht auslöst aber dem Abwehrsystem ermöglicht, effektive Antikörper zu entwickeln.

In diesem Sinne lassen Sie sich impfen und bleiben Sie gesund!

PD Dr. Steinbigler
Chefarzt Innere Medizin - Kardiologie, Klinik Mindelheim

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